WissenDatenschutz und Recht
Kundenlisten und Custom Audiences datenschutzgerecht nutzen
Kundenlisten für Custom Audiences bei Meta: warum Hashing keine Anonymisierung ist, welche Rechtsgrundlage Behörden verlangen und was bei Widerspruch gilt.
Auf dieser Seite
Kurz erklärt
Bei einer Custom Audience aus einer Kundenliste übermitteln Sie Kontaktdaten wie E-Mail-Adressen oder Telefonnummern an Meta. Meta gleicht sie mit seinen Nutzerkonten ab und bildet daraus eine Zielgruppe.23 Die Daten werden dabei gehasht, also in eine Art digitalen Fingerabdruck umgewandelt. Das macht sie aber nicht anonym. Sie bleiben personenbezogen, die DSGVO gilt weiter.456 Datenschutzbehörden sehen die Nutzung kritisch und verlangen in der Regel eine Einwilligung.67 Wer Kundenlisten nutzen möchte, braucht deshalb eine belastbare Rechtsgrundlage, muss transparent informieren und Widersprüche konsequent umsetzen.14
Was ist das?
Vereinfacht läuft es so ab:
- Sie stellen eine Liste mit Kontaktdaten Ihrer Kundinnen und Kunden zusammen.
- Die Daten werden vor der Übermittlung gehasht. Aus einer E-Mail-Adresse wird eine lange, feste Zeichenkette.2
- Meta vergleicht diese Zeichenketten mit den ebenso umgewandelten Daten seiner Nutzerkonten. Das nennt man Abgleich (Matching).23
- Nach dem Abgleich löscht Meta die übermittelten Daten. Übrig bleibt eine Zielgruppe aus den gefundenen Konten.12
- Meta zeigt Ihnen nicht, welche Personen in der Zielgruppe sind, und gibt sie nicht an andere Werbetreibende weiter.1
Was eine Kundenliste für Ihre Werbung leisten kann, erklärt Kundenliste als Zielgruppe hochladen.
Warum ist das wichtig?
Kundenlisten gehören zu den wertvollsten Zielgruppen, weil sie aus echten Kundenbeziehungen stammen. Gerade deshalb ist das Vertrauen Ihrer Kunden im Spiel. Mit dem Hochladen sichern Sie Meta zu, dass Sie eine rechtmäßige Grundlage für die Weitergabe haben.1 Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht hat die Nutzung ohne Einwilligung beanstandet, das Verwaltungsgericht Bayreuth hat das 2018 im Eilverfahren bestätigt.6
Worauf es ankommt
Hashing ist keine Anonymisierung
Die DSGVO nennt das Pseudonymisierung: Die Daten lassen sich mit Zusatzwissen wieder einer Person zuordnen und bleiben deshalb personenbezogen.4 Die Artikel-29-Datenschutzgruppe, Vorgängerin des EDSA, stellte klar, dass sich Hashwerte zurückverfolgen lassen, wenn man die möglichen Eingaben kennt.5 Genau das passiert beim Abgleich.2 Das VG Bayreuth wertete das Hochladen deshalb als Übermittlung personenbezogener Daten.6
Wer ist verantwortlich?
| Quelle | Rolle von Meta |
|---|---|
| Meta-Bedingungen für Kundenlisten | Sie sind Verantwortlicher, Meta verarbeitet die Daten zum Erstellen der Zielgruppe als Auftragsverarbeiter.1 |
| EDSA, Leitlinien 8/2020 | Gemeinsame Verantwortlichkeit für Upload, Abgleich, Ausspielung und Berichte.7 |
| VG Bayreuth / BayLDA (2018, zu früheren Bedingungen) | Facebook war kein Auftragnehmer, sondern eigene verantwortliche Stelle.6 |
In allen Varianten gilt: Sie sind für die Kundendaten verantwortlich und brauchen eine Rechtsgrundlage für die Weitergabe.1
Welche Rechtsgrundlage?
- Einwilligung: Das BayLDA hält eine vorherige informierte Einwilligung für erforderlich. Das VG Bayreuth folgte dem.6
- Berechtigtes Interesse: Der EDSA hält es nur in einem engen Fall für denkbar: Die Kundin wurde bei der Erhebung über Werbung in sozialen Medien informiert, es geht um ähnliche Leistungen wie die bereits genutzten, und sie konnte von Anfang an widersprechen. Wer Adressen von Personen nutzt, die sich bewusst gegen einen Vertrag entschieden haben, kann sich darauf nicht berufen.7
- Profilbildung: Die DSK geht davon aus, dass bei Profilen mit Daten aus sozialen Netzwerken die Interessen der Betroffenen in der Regel überwiegen.8
Die vorsichtigste Lösung ist eine ausdrückliche Einwilligung, die Werbung auf Facebook und Instagram konkret nennt.
Informieren und Widersprüche umsetzen
Informieren Sie Ihre Kunden bei der Erhebung, dass und wofür Sie Daten an Meta weitergeben. Auf das Widerspruchsrecht gegen Direktwerbung müssen Sie spätestens bei der ersten Kommunikation ausdrücklich hinweisen.4 Nach einem Widerspruch dürfen Sie die Daten nicht mehr für Werbung nutzen.4 Meta verlangt, dass Sie die Person dann auch aus der Zielgruppe entfernen.1
Was Meta außerdem verlangt
Keine Daten von Kindern unter 13 Jahren, keine sensiblen Daten wie Gesundheits- oder Finanzinformationen, auch nicht im Namen der Zielgruppe. Zielgruppen dürfen nicht verkauft oder übertragen werden. Agenturen, die Listen im Auftrag hochladen, sichern zu, dazu berechtigt zu sein.1
Typische Fehler
- „Wir hashen doch, also ist es anonym.“ Gehashte E-Mail-Adressen bleiben personenbezogen.56
- Alle jemals gesammelten Adressen hochladen, auch von Interessenten, die nie Kunde wurden. Diese Konstellation hält der EDSA nicht für gedeckt.7
- Widersprüche nur im Newsletter-System umsetzen und die Zielgruppe bei Meta vergessen.1
- Sensible Begriffe im Namen der Zielgruppe, etwa „Diabetiker Kunden“.1
- Agentur lädt Listen ohne schriftliche Regelung mit dem Kunden hoch.1
Wichtig
Fachbegriffe
- Custom Audience aus einer Kundenliste: Zielgruppe, die Meta aus Ihren übermittelten Kundendaten bildet.
- Hashing: Einweg-Umwandlung von Daten in eine feste Zeichenkette.
- Pseudonymisierung: Daten sind ohne Zusatzwissen keiner Person zuordenbar, bleiben aber personenbezogen.
- Anonymisierung: Personenbezug ist dauerhaft aufgehoben. Dann gilt die DSGVO nicht mehr.
- Abgleich (Matching): Vergleich Ihrer gehashten Daten mit denen der Meta-Nutzerkonten.
- Auftragsverarbeiter: Dienstleister, der Daten nur nach Ihrer Weisung verarbeitet.
- Widerspruch: Recht, der Nutzung von Daten für Direktwerbung jederzeit zu widersprechen.
Typische Nutzerfragen
- Darf ich die E-Mail-Adressen meiner Newsletter-Abonnenten zu Meta hochladen?
- Brauche ich für Custom Audiences eine Einwilligung?
- Ist Hashing datenschutzkonform?
- Was mache ich, wenn ein Kunde der Werbung widerspricht?
- Ist Meta bei Kundenlisten mein Auftragsverarbeiter?
- Darf meine Agentur unsere Kundenliste hochladen?
Quellen
Die Hochzahlen im Text verweisen auf diese Quellen. Meta ändert Oberflächen und Bezeichnungen regelmäßig; maßgeblich ist immer die aktuelle Meta-Hilfe.
- Customer List Custom Audiences Terms (öffnet in neuem Tab)
- Hashen von Kund*innen-Informationen (öffnet in neuem Tab)
- Anhand von Kund*innenlisten erstellte Custom Audiences (öffnet in neuem Tab)
- Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung) (öffnet in neuem Tab)
- Opinion 05/2014 on Anonymisation Techniques (WP216) (öffnet in neuem Tab)
- Pressemitteilung vom 15.06.2018: Verwaltungsgericht Bayreuth bestätigt: Facebook Custom Audience ohne Einwilligung unzulässig (öffnet in neuem Tab)
- Guidelines 8/2020 on the targeting of social media users, Version 2.0 (öffnet in neuem Tab)
- Orientierungshilfe der Aufsichtsbehörden zur Verarbeitung von personenbezogenen Daten für Zwecke der Direktwerbung (Februar 2022) (öffnet in neuem Tab)
Unabhängiger Wissensbereich der Meta Agentur. Kein offizielles Angebot von Meta Platforms, Inc. Meta, Facebook, Instagram und WhatsApp sind Marken der Meta Platforms, Inc.